Der Käse von Kirkebö

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Der Käse von Kirkebö
The Lemming with the Locket
Erstveröffentlichung: 25. Januar 1955
Entstehungsdatum: Juli 1954
Storycode: W US 9-02
Story: Carl Barks
Zeichnungen: Carl Barks
Inker:

Carl Barks und Garé Barks

Seiten: 22
Deutsche Übersetzung: Dr. Erika Fuchs
Deutsche Erstveröffentlichung: MM 49–52/1974
Weiterführendes

link= W US 9-02 Infos zu Der Käse von Kirkebö beim Inducks

Dagoberts neuer unknackbarer Tresor (© Egmont Ehapa)

Der Käse von Kirkebö (Original The Lemming with the Locket) ist eine Comicgeschichte von Carl Barks und Garé Barks. In dieser Geschichte klaut ein Lemming den Zettel mit Onkel Dagoberts Tresorcode, sodass eine halsbrecherische Verfolgungsjagd bis nach Skandinavien ausbricht, um den Code wiederzubekommen.

Figuren[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

Onkel Dagobert hat einen neuen supersicheren Geldspeicher, aus einem neuen und unbekannten aber unverwüstbaren Material. Der einzige Zugang zu seinem Geld ist eine supersichere Tür, geschützt durch sieben Schlösser und nur Dagobert kennt die 77-stellige Zahlenkombination. Da natürlich auch er sie sich nicht merken kann, schreibt er sie auf einen kleinen Zettel, den er an einem ganz unscheinbaren Ort in einem kleinen Medaillon versteckt. Sein Tresor ist nun absolut unknackbar und sein Geld 100 % sicher. Endlich kann er ruhig schlafen!! Wirklich? Nein. Denn währenddessen packen Donald und seine Neffen einen leckeren Käse aus dem skandinavischen Kirkebö aus, doch der Käse ist aufgefressen – von einer seltsamen Ratte! Die wollen sie Dagobert zeigen, da die Ratte tatsächlich sehr komische aussieht und sie sich fragen, was das ist. Doch bei Onkel Dagobert bekommt das Tier aus Versehen das Medaillon umgehängt – und haut ab! Verzweifelt folgt Dagobert ihr und die Neffen hinterher zu einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd.

Lemmingmassenwanderung in Richtung Meer (© Egmont Ehapa)

Doch die „Ratte“ ist gewitzt. Sie flieht auf einen Heringfischer, der nach Kirkebö fährt. Natürlich wendet Dagobert alle Mittel an, ihr zu folgen und so befinden sich die Ducks kurz darauf auf dem nun vor Kirkebö liegenden Schiff. Doch noch immer können sie das schlaue Tier nicht fangen. Sie versuchen, es mit dem leckeren Käse aus der Region zu locken, doch es überlistet sie wieder. Schließlich gelingt es dem Tier, an Land zu kommen. Die Ducks folgen ihm und erfahren, dass die Ratte in der Tat keine Ratte ist, sondern ein Lemming, der hier in Skandinavien heimisch ist – womit die anfängliche Frage geklärt wäre, doch das hilft ihnen nun nicht weiter. Hinzu kommt, dass es hier in Kirkebö Horden von Lemmingen gibt. Wobei Horden untertrieben wäre: Alle Lemminge sammeln sich aus dem ganzen Land und bilden riesige Massen, die das ganze Land kahl fressen und zum Fjord ziehen! Währenddessen haben die Kinder einen der leckeren Käse gekauft und ihn in der Luft aufgehängt, damit ja kein Lemming rankommt und ihn wieder essen kann. Doch sie sollen sich wieder mit den Lemmingen beschäftigen, denn Dagobert ist verzweifelt: Eines dieser Tiere muss sein Lemming sein, doch welcher?

Der Lemming im Kirkebö-Käse mit Dagoberts Medaillon, in dem der wertvolle Zettel ist (© Egmont Ehapa)

Hinzu kommt, dass die Tiere kurz davor sind, sich aus einem unbekannten Grund alle ins Meer zu stürzen! Und bei diesem Massenselbstmord würde auch Dagoberts Zettel für immer verloren gehen! Verzweifelt versuchen die Ducks noch, die Tiere aufzuhalten, doch gegen die Massen kommen sie nicht an. Schließlich sind alle Lemminge im Meer versunken. Onkel Dagobert ist verzweifelt. Wobei verzweifelt noch nicht ganz zutrifft, tatsächlich ist er so niedergeschlagen, dass sich dafür keine Worte finden lassen. Die Ducks wollen zurück nach Entenhausen. Doch davor wollen die Kinder noch ihren Käse abholen, den sie ja vor den Lemmingen geschützt hatten. Und da wird das Unglaubliche war: In dem Käse ist der Lemming! Das schlaue Tier hat es sogar geschafft, an den Käse zu kommen, obwohl dieser eigentlich sicher verwahrt wurde. Und nun ist er als einziger geblieben! Dagobert ist begeistert, doch die Kinder weniger, denn sie hatten noch versucht, mit Dagobert Geschäfte zu machen und eine Belohnung herauszuspielen, doch alles was sie bekommen, ist ein Kirkebö-Käse!

Hintergrund[Bearbeiten]

Ein Lemming, diesmal ein echter

In dieser Geschichte spielt der Lemming eine große Rolle. Der Lemming ist eine Gattung der Wühlmäuse, die vor allem in nördlichen Breiten aufzufinden ist. Bei den Lemmingen in der Geschichte handelt es sich wohl um die sogenannten Berglemminge (Lemmus lemmus), da diese in Skandinavien leben. Die Tiere wurden recht originalgetreu dargestellt, wenngleich natürlich im Disney-Stil. Bemerkenswert ist aber vor allem das Phänomen der Massenwanderung und des Massenmords (in der Geschichte stürzen sich die Lemminge ja in Massen ins Meer), das Carl Barks sich keineswegs aus den Fingern gesogen hat. Tatsächlich vermehren Lemminge sich sehr schnell, sodass alle drei bis fünf Jahre eine Bestandsgröße erreicht wird, die so groß ist, dass zahlreiche Lemminge ein Gebiet verlassen, um sich auf die Suche nach neuen Lebensräumen zu begeben. Dabei kann es alle 30 bis 35 Jahren in Lappland zu riesigen Massenwanderungen mit tausenden alles kahl fressenden Lemmingen kommen. Da die Lemminge dabei auch Flüsse, Fjorde und sonstige natürliche Hindernisse überqueren (oder es zumindest versuchen), kann es dabei auch zu riesigen Massensterben kommen, die lange als Massenselbstmorde verstanden wurden, da die Tiere sich freiwillig in das Wasser stürzen. Allerdings gibt es in der Geschichte dann doch einen kleinen Fehler: Die Lemming-Massenwanderung befindet sich in Kirkebö. Kirkebö existiert tatsächlich, es handelt sich um eine kleine norwegische Stadt am Sognefjord, die Barks mit den hohen und steilen Bergen der Umgebung, sowie den charakteristischen Gebäuden eigentlich sehr korrekt dargestellt hat – die sich aber zu weit südlich befindet, um Schauplatz der Massenwanderungen sein zu können. Außerdem sind die Massenszenen natürlich übertrieben, was aber dadurch entschuldigt werden kann, dass durch die außerordentliche Seltenheit noch bis heute nicht besonders viel von diesem Phänomen bekannt ist. Oft wird behauptet, dass der Mythos erst durch den Disney-Film Weiße Wildnis entstanden sei – doch der wurde drei Jahre nach Barks' Kirkebö-Geschichte veröffentlicht.

Auffällig ist auch, wie sehr Barks sich hier mal wieder bei einem älteren Plot bedient: Bereits in Der zählende Papagei ging es darum, dass Dagobert nicht an sein Geld kommt, da ein sehr schlaues Tier (dort ein Papagei) als einziger in Besitz des Tresorcodes ist (damals hatte Dagobert den Code nicht einmal aufgeschrieben, sondern ihn dem intelligenten Papagei anvertraut, damit dieser ihn sich merkt) und sich aus dem Staub macht (allerdings ist das Ziel des Tieres höchst verschieden, während sich der Papagei in den sonnigen Süden flüchtet, landet der Lemming in Skandinavien). Laut Geoffrey Blum ist Kontrolle und die Probleme, die sich durch Kontrollverlust ergeben, ohnehin ein äußerst wichtiges Thema für Barks. Bereits der Beginn der Geschichte, in dem Dagobert seinen Geldspeicher absperrt, deutet auf das große Thema der Sicherung des Vermögens hin. Wie bei Barks typisch gerät die Situation jedoch schnell außer Kontrolle.[1]

Barks schrieb die Geschichte mit dem Hintergedanken, von irgendeiner Sache unendlich viel darzustellen. Bereits in Der verhängnisvolle Kronenkork hatte er mit dem Gedanken gespielt und Dagobert eine Milliarde Kronenkorken bestellen lassen, ohne allerdings die Überflutung Tralla Las in ihrer Masse darzustellen. Der Käse von Kirkebö begann mit derselben Grundidee, nur sollten es diesmal Lemminge sein. Barks sagte: „Ich hatte plötzlich die Idee einer Höhepunkt-Situation, in der Onkel Dagoberts Geldspeicher-Kombination am Hals eines von Millionen von Lemmingen hängt, die gerade auf Wanderschaft sind. Ich bin dann in der Geschichte erst einmal rückwärts gegangen, um einen Anfang zu haben, um von hier wieder mit den Szenen einzelner Bilder vorwärtszugehen.“[1] Das Splash-Panel war also der Ausgangspunkt für die Geschichte.

Abgesehen von der sich anbahnenden Katastrophe der Millionen Lemminge ist die Geschichte äußerst kärglich gehalten mit wenig Hintergründen. Auch die norwegischen Trachten sind sehr schematisiert. Auch wenn Barks sich definitiv von Bildern im National Geographic Magazine inspirieren ließ, ist es unmöglich zu sagen, welche Ausgabe genau er heranzog.[1] Im Laufe der Arbeit an der Geschichte stellten Barks und seine Frau Garé jedoch fest, dass es enorme Schwierigkeiten mit sich brachte, so viele Lemminge zu zeichnen. Sie brauchten deutlich länger dafür als geplant und mussten fast schon ihren avisierten Urlaub absagen. Kaum war der letzte Lemming gezeichnet, schlossen sie das Haus ab und konnten losfahren.[1]

Trivia[Bearbeiten]

  • Die Geschichte dient als Vorlage für die 56. Folge (Die Lemminge) von DuckTales.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Geoffrey Blum: Eine Milliarde von Irgendwas. Übersetzt von Johnny A. Grote. In: Barks Library Special Onkel Dagobert 8.