Die Verwandlung

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Die Verwandlung
Jetzt kommt Phantomias!
Paperinik il diabolico vendicatore
Erstveröffentlichung: 08.06. – 15.06.1969
Entstehungsdatum: 1969
Storycode: I TL 706-AP


Story: Guido Martina
Zeichnungen: Giovan Battista Carpi
Seiten: 60
Deutsche Übersetzung: Gudrun Penndorf
Deutsche Erstveröffentlichung: LTB 41
Weiterführendes

Ind.PNG Infos zu Die Verwandlung beim Inducks

© Egmont Ehapa

Die Verwandlung, auch Jetzt kommt Phantomias (im Original Paperinik il diabolico vendicatore, also übersetzt „Phantomias, der teuflische Rächer“) ist eine 1969 erstveröffentlichte, von Guido Martina geschriebene und von Giovan Battista Carpi gezeichnete Comicgeschichte. Die Geschichte, die die erstmalige Verwandlung von Donald Duck in sein Alter Ego Phantomias behandelt, gilt als Meilenstein der italienischen Disney-Comics und zählt auch zu den besten in Italien entstandenen Geschichten.[1]

Figuren[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

Da hat Donald natürlich vollkommen Recht... (© Egmont Ehapa)

Große Überraschung: Donald hat im Lotto gewonnen! Und noch dazu eine Villa, nämlich die Villa Rosa in der Nähe von Rosenheim. Da erhofft er sich natürlich gute Chancen bei Daisy und kann einmal seinen Vetter Gustav ausstechen, doch die Enttäuschung folgt stehenden Fußes: Als Donald seinen skeptischen Neffen die Freudenbotschaft mitteilen will, erkennt er, dass das Paket an Gustav Gans adressiert war und somit nur versehentlich den Weg in sein Haus gefunden hat. Donald verrät seinen Neffen allerdings nichts davon und nimmt sie mit, um sich seinen neuen „Besitz“ anzuschauen. Die Kinder wollen auch einen kleinen Hund mitnehmen, den sie gefunden haben, aber Donald jagt den Hund fort, denn er duldet keine Haustiere. Der Hund läuft Gustav in die Arme, der ihn zu seinem Herrchen bringt: dem Grafen Zaster, der Gustav gleich als Leibwächter des Schützlings einstellt, natürlich für fürstlichen Lohn.

Die Villa (© Egmont Ehapa)

Donald weiß von alldem natürlich nichts. Gemeinsam mit seinen mäßig begeisterten Neffen, die ihm sein Verhalten gegenüber dem Hund Putzi übelnehmen, besichtigt er den Park und die heruntergekommene Villa Rosa. Donald lässt sich auf einem Lehnstuhl in der Villa nieder, was allerdings eine Staubwolke verursacht, die Tick, Trick und Track in die Flucht treibt. Als sie weg sind, entdeckt er unter dem Polster das geheime Tagebuch eines gewissen Phantomias, eines Edelmannes, der die Reichen beraubte, um den Armen zu geben. Donald steckt das Tagebuch ein und fährt mit Tick, Trick und Track zurück. Vor seiner Haustür wartet Onkel Dagobert, der Donald anstellen will: Er soll ihm des Nachts zufächeln, da ein Ventilator ihm zu teuer ist. Donald lehnt den Job ab und wirft erst seinen Onkel, dann seine Neffen, die ihm seine Faulheit vorhalten, hinaus, um sich der Lektüre des Tagebuchs zu widmen.

Die Lektüre beflügelt Donalds Fantasie, der auch zum Rächer werden will, um es endlich einmal Onkel Dagobert zu zeigen. Im Tagebuch findet er Skizzen verschiedener Waffen, die der erste Phantomias in seinem Auto hatte, und die Donald sich von Ingenieur Düsentrieb auch in seinen Kleinwagen einbauen lässt. Von Herrn Düsentrieb bekommt Donald zudem Masken der Duckschen Familienmitglieder. In der Villa Rosa holt er sich das Kostüm von Phantomias sowie eine Hypnotisierlampe. Seinem Rachefeldzug steht also nichts mehr im Wege!

Das Tagebuch (© Egmont Ehapa)

Als erstes bringt Donald die Lampe zu Onkel Dagobert und redet diesem ein, sie sei eine normale Lampe, mit der Dagobert Strom sparen könne. In der Nacht verwandelt sich Donald das erste Mal in Phantomias. Er dringt bei Dagobert ein, überwindet sämtliche Fallen und gelangt schließlich ins Schlafzimmer, wo sich sein Onkel schon im Hypnoseschlaf befindet. Donald-Phantomias stiehlt die Matratze unter dem schlafenden Dagobert, jene Matratze, die mit Talerscheinen vollgestopft ist. Auf dem Weg zur Villa Rosa legt er sich mit zwei Polizisten an, die er zwar ausschaltet, die ihm dann aber dennoch in die Villa folgen. Dort überwältigt Donald-Phantomias sie und versteckt sich und die Matratze schließlich im geheimen Untergeschoss der Villa.

Donald lenkt von sich ab (© Egmont Ehapa)

Am nächsten Morgen – Donald ist wieder in seinem Bett – wird er rüde von Onkel Dagobert geweckt, der über den Raub der Matratze schwer erzürnt ist. Er verlangt eine Gegenüberstellung mit den zwei Polizisten. Diese können jedoch nicht sicher sagen, ob Donald oder Gustav im Phantomias-Kostüm gesteckt hatte. Dagobert will deshalb zur Villa Rosa fahren und dort nach der Matratze suchen. Donald überlegt nervös, wie er verhindern kann, dass die Matratze gefunden wird. Am Weg täuscht er deshalb vor, einen Schatten mit Fledermausflügeln zu sehen. Alle steigen aus. Donald lenkt seine Verwandten mit den Masken von Herrn Düsentrieb ab, die er Putzi aufsetzt. Doch zu Fuß schafft er es nicht mehr rechtzeitig zur Villa und so muss er beobachten, dass Gustav es vor ihm schafft. Donald geht betrübt nach Hause. Gustav findet natürlich sofort den Eingang zu den Geheimräumen und darin die Maske. Sein Glück bewahrt ihn allerdings nicht davor, eine Kerze anzuzünden, in deren Unterteil sich Dynamit befindet. Die Villa fliegt in die Luft und damit steht für den Rest der Duck-Familie fest, dass Gustav der Dieb gewesen ist.

© Egmont Ehapa

Zurück in Donalds Haus: Donald vernimmt mit Staunen vom Rest seiner Familie, dass nicht er der Dieb ist. Dafür heißt er ab jetzt auch nicht mehr Donald, sondern der Rächer.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

1968 war der Film Arrriva Dorellik erschienen, eine Parodie auf die Fumetti neri, eine Sorte von Kriminalgeschichten, die damals in Italien populär waren (besonders zu nennen sind die Geschichten um Diabolik) und deren Helden häufig Namen auf -ik hatten. Inspiriert davon beauftragte Elisa Penna, Chefredakteurin des italienischen Mondadori-Verlags, Guido Martina, ebenfalls eine Parodie auf die Fumetti neri zu schreiben. Martina traf sich mit Mario Gentilini, dem vorschwebte, Micky Maus zu einem Art Superhelden zu machen. Martina, der Micky allerdings als zu langweilig empfand, schlug vor, dem sympathischeren und menschlicheren Donald eine Geheimidentität zu geben und entwickelte so die Figur Paperinik (italienischer Name von Phantomias) von Paperino (Donald).[2][3] Den Namen von Paperiniks Vorgänger Fantomius (auf Deutsch meist als „erster Phantomias“ bezeichnet) entlehnte er von der Figur Fantômas. Die ganze Geschichte legte er als Parodie auch auf weitere Superschurkengeschichten, zum Beispiel die um Arsène Lupin, an.[4] Die Geschichte war schon bei ihrer Veröffentlichung ein enormer Erfolg. Mondadori hatte bereits öfters Leserbriefe bekommen, die sich wünschten, Donald möge auch einmal gegen seinen Onkel gewinnen. Die Geschichten Martinas, die bis dato das Topolino-Magazin geprägt hatten, hatten Donald in der Regel als Verlierer gezeigt. Die neue Stellung als Rächer gefiel den Lesern sehr, weswegen die neu eingeführte Figur nicht in der Versenkung verschwand. Martina schrieb bereits im folgenden Jahr zwei neue Geschichten und Phantomias wurde schnell zu einer Standardfigur, die aber auch gleichzeitig Highlight der Topolino-Hefte war.

Donald, der Rächer (© Egmont Ehapa)

In vielen Beschreibungen der Entstehungsgeschichte von Phantomias, unter anderem auch bei Luca Boschi, ist zu lesen, Elisa Penna hätte die Idee zur Figur Phantomias geliefert. Dies dürfte allerdings nicht der Wahrheit entsprechen. Penna hat auch in anderen Fällen hinterher die Ideen anderer als ihre eigenen ausgegeben, wie Massimo De Vita am eigenen Leib erfahren musste.[5]

Bedeutung[Bearbeiten]

Diese Geschichte gilt nicht ohne Grund als Meilenstein der italienischen Disney-Comics, teilweise sogar als Meilenstein der italienischen Comics insgesamt, eingedenk der Popularität, die Phantomias in Italien besitzt. Obwohl die Geschichte sich deutlich von den späteren Phantomias-Comics unterscheidet, die die Figur als mit beiden Beinen im Recht stehenden Superhelden präsentiert, prägte sie dennoch nachhaltig den Typus der Figur und begründete das Genre der Phantomias-als-Rächer-Geschichten, das auch heute noch von Marco Gervasio aufgegriffen wird. Gervasio schöpft ohnehin viel aus dieser allerersten Phantomias-Geschichte und so ist es auch kein Wunder, dass er in der Geschichte Aller Anfang ist schwer (LTB 544) eine Hommage/Fortsetzung von Die Verwandlung schrieb und zeigte, dass der Lottogewinn keineswegs zufällig in Donalds Hand landete, sondern alles von Lord Quackett dementsprechend arrangiert wurde.[6] Aller Anfang ist schwer ist die einleitende Geschichte zu Gervasios Konstrukt Phantomias in modernen Zeiten, in dem der Rächer-Phantomias nach Guido Martina wiederbelebt wird.

Konflikt mit dem Onkel (© Egmont Ehapa)

Die Geschichte zeigt Guido Martina Fähigkeiten als Comicautor. Die Verwandlung Donalds in den titelgebenden Phantomias erfolgte erst auf der letzten Seite des ersten Teils (S. 38 im LTB 41) und die Leser mussten sich eine Woche gedulden, bis sie den ersten Einsatz miterleben konnten. In der Geschichte beleuchtet Martina die negativen Seiten fast aller Figuren und auch Donald kommt, etwa wenn er den Hund Putzi misshandelt, äußerst schlecht weg.

Fortsetzungen und Varianten[Bearbeiten]

In der Geschichte „Aller Anfang ist schwer“ wird die Geschichte aus Sicht Lord Quacketts geschildert, der maßgeblich an den Geschehnissen beteiligt war. In der Geschichte „Schicksalswege eines Helden“ werden verschiedene Alternativen Realitäten gezeigt, in der Gustav oder Dagobert die Villa Rosa erhalten.

Trivia[Bearbeiten]

  • Der Anfangsteil mit Putzi wurde bereits 1971 unter dem Titel Der Wuschelhund im Micky Maus Magazin Nummer 23 veröffentlicht. Jeder Bezug zu Phantomias wurde aus der Geschichte gestrichen.
  • Spätere italienische Abdrucke veränderten teilweise den sehr harschen Text Martinas in der Originalversion. Aus der Beleidigung Dagoberts gegenüber Donald, „Questo pelandrone non è nemmeno capace di derubare un sordomuto cieco e paralitico“ (Dieser Faulpelz schafft es nicht einmal, einen Taubstummen, Blinden und Gelähmten zu berauben) wurde „Questo pelandrone non è nemmeno capace di rubare una noce a uno scoiattolo“ (Dieser Faulpelz schafft es nicht einmal, eine Nuss einem Einhörnchen wegzustehlen).[7]
  • Laut Giovan Battista Carpi sollte Phantomias ursprünglich eine blaue Maske tragen, der Kolorist entfernte jedoch die Maske aus Versehen. Erst mit der dritten Geschichte, Die Rache des Phantomias, setzte sich die schwarze Maske durch.[8]
  • In Alles auf Anfang: Der Edelmann hinter der Maske (Teil 12 von Die Legende des ersten Phantomias) wird die erste Verwandlung von Lord Quackett in den ersten Phantomias gezeigt. Diese zeichnete Marco Gervasio quasi eins zu eins von der Verwandlung aus dieser Geschichte ab.


Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuell (Stand November 2020) liegt die Geschichte auf Platz 79 in der Inducks-Bewertung, da aber fast sämtliche Carl-Barks-Stories sehr hohe Bewertungen erhalten haben, ist solch ein hohes Abschneiden für eine Nicht-Barks-Geschichte bemerkenswert.
  2. Interview mit Guido Martina in La Stampa 1987, abrufbar unter [1] (Italienisch)
  3. https://www.giornalepop.it/il-paperinik-originale-cancellato-da-pk/
  4. Italienischer Wikipedia-Artikel zur Geschichte
  5. https://www.ventennipaperoni.com/2020/06/14/massimo-de-vita-intervista/
  6. http://www.salimbeti.com/paperinik/en/origins.htm
  7. Artikel in Papersera über Webarchive (Italienisch)
  8. Artikel in Paperpedia (Italienisch)