Donald Punk

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Donald Punk ist eine nicht jugendfreie Heftreihe von Meine-Welle-Productions, in der Donald Duck als Punker parodiert wird. Die Raubcomic[1]-Reihe besteht aus vier regulären Ausgaben, einer Sonderausgabe 1111, zwei Sonderheften, einem Extra und der Ausgabe „Donald Punk: Asozial & Sinnlos“[2]. Online verfügbar sind nur drei der vier Ausgaben sowie die Sonderausgabe.[3]

Ausgabe eins erschien 1981, Ausgaben zwei und drei erschienen Mai und September 1982. Die Sonderausgabe 1111 wurde im Februar 1982 zwischen Ausgaben eins und zwei geschoben. Beide Sonderhefte und das Extra erschienen 1983, Ausgabe 4 ein Jahr später. Jede Ausgabe kostete 1 DM.

Handlung[Bearbeiten]

Die ersten drei Ausgaben verfolgen eine durchgehende Handlung, während Ausgabe 1111 eigenständig ist und viele Figuren anders interpretiert als die Hauptreihe.

Ausgabe eins: Entenhausen is a holiday Camp[Bearbeiten]

Donald wird durch eine Musiksendung dazu inspiriert, Punker zu werden. Mit seiner Lederjacke aus APO-Tagen, gefärbten Haar und Musikinstrumenten von den 3000 Talern, welche er seinen Neffen stahl, wird er zur Ein-Mann-Band. Als Donald Punk wird er von Manager Friedhelm Schnösel entdeckt und seine so entstandene Platte „Entenhausen über alles“ wird zum Hit. Dafür will Daisy nichts mehr mit ihm zu tun haben. Seinen Frust wird Donald an Popper Gustav los.

Ausgabe zwei: Strength thru Oi![Bearbeiten]

Donalds Platz eins an den Charts wird von der Band der Panzerknacker AG abgelöst. Diese wurden von Dagobert angeheuert, um als Skinhead-Band Donald vom Markt zu treiben. Unterstützt wird er von S. Heil der Nationalen Partei Entenhausen, die auch mit Klaas Klever zusammen arbeitet. Selbstbewusst feuert Dagobert seinen anderen Musiker, den Hippie Dussel. Doch Donalds zweite Single „Holiday in Petrolistan“ bringt ihn wieder zurück an die Spitze. Die Drillinge wollen auch berühmt werden und sich gleichzeitig an Donald rächen. Dazu lassen sie sich Instrumente von Daniel Düsentrieb bauen. Ihren ersten Auftritt in einer Schickeria-Disco ruinieren die Panzerknacker, indem sie ihren elektrischen Instrumenten die Akkus stehlen.

Ausgabe drei: Tanz den Mussolini[Bearbeiten]

Nachdem die Panzerknacker nicht mehr an der Spitze der Charts sind, wendet sich Dagobert verzweifelt an den Werbemann Alberto Fabrizio. Dieser verspricht ihm riesige Erfolge, wenn er sein Image und Aussehen modernisiert und die Neue Welle einleitet. Um die Konkurrenz endgültig auszuschalten, lässt Dagobert über Professor Piepenbrink Gitarrenmurkser in den Entenhausener Musikgeschäften verteilen, die alle Gitarren auffressen. Alle Gitarren? Nein, die aus seinem eigenen Werk spritzte er das Anti-Gitarrenmurkser-Gift DDM. Zusätzlich nimmt er wieder Dussel unter Vertrag, der als „Uno“ „Quack, Quack, Quack, ich lieb' dich nicht“ singen soll. Donald bemerkt während der Aufnahmen zur dritten Single, dass ein Gitarrenmurkser sein Instrument verschlang. Doch Manager Schnösel empfiehlt den Kettensägen-Musiker Wendy „Chainsaw“ Williams, dessen singende Säge von Donald mit einem Bass aus dem Synthesizer untermalt wird. Donald Punk ist wieder auf Platz eins, als sich ihm ein bewaffneter Fremder nähert.

Sonderausgabe 1111: Nazi Ducks fuck off[Bearbeiten]

Als Rache an den Kapitalisten Dagobert besetzen Donald Punk und die Punkerknacker eines seiner leerstehenden Häuser, doch Kommissar Hunter treibt sie schnell wieder heraus. Nach seiner Haft will Donald als Pogomias zuschlagen und die Drillingen vorher um ihre Finanzen erleichtern. Doch seine Neffen, die als Nachwuchsnazis der Wehrsportgruppe Fähnlein Hoffmannschwanz dargestellt werden, erwischen ihn und ziehen lieber aus. Nun ungehindert sprüht Donald als Pogomias Verleumdungen an den Geldspeicher, pinkelt an Polizeiwagen und nimmt ein neues Album mit dem Titel „Nazi-Ducks fuck off“ auf. Optimistisch will Donald es wieder bei Daisy versuchen, die seitdem von Gustav mit ganzem Körpereinsatz getröstet wurde. Donald vermöbelt den nackten Gustav und wird von Daisy rausgeworfen. Um sich (erneut) zu rächen, besucht Donald Daniel Sexualtrieb. Dort bekommt er ein Spray, durch das sich jeder in einen Punker verwandelt. Donald besprüht als Pogomias nach und nach Familie und Bekannte, um ganz Entenhausen im anarchischen Chaos zu versenken. Doch Donald wacht auf. Er sitzt mit den Punkerknackern im Gefängnis, bei der Hausbesetzung hatte er von der Polizei einen Schlag auf dem Kopf abbekommen und seitdem geträumt. Im Gefängnis schwört er Rache.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Zeichnungen sind Plagiate von offiziellen Disney-Comics, besonders auffällig ist dies bei Barks-Vorlagen und welchen aus dem Lustigen Taschenbuch. Dagoberts neues Outfit lässt ihn zum Beispiel wie König Astroduck aus „Seoul 1988 – Olympisches Fieber“ aussehen. Einige Handlungselemente schafften es auch aus den Vorlagecomics in Donald Punk, zum Beispiel die Gitarrenurkser, deren optisches Vorbild als Gurkenmurkser aus Barks' „Die Gurkenkrise“ stammen.

Die Pläne der inoffiziellen Heftreihe waren enorm. In der zweiten Ausgabe wurde eine neue Ausgabe alle drei Monate angekündigt, die dritte kündigt eine Verdopplung des Preises für alle kommenden Ausgaben an. Die Papierqualität sank zwischen der ersten und zweiten Ausgabe: Die erste wurde auf holzfreiem weißen Papier gedruckt, die zweite auf holzhaltigem grauen Umweltpapier.[4] Die schwarzweiß-Kopien werden durch Drahtheftung gebunden.

Durch das Entreißen des ursprünglichen Kontexts und dem Verfälschen durch neuen Sprechblaseninhalt und neu gezeichneten Details bieten Raubcomics die Möglichkeit, Themen anzuschneiden, welche in der ursprünglichen Comicreihe unmöglich sind. [5] Donald Punk nutzt die Geschichten des hitzköpfigen Herrn Ducks dazu, humorvoll auf den Wechsel der populären Musikgenres Anfang der Achtziger aufmerksam zu machen: Hippie Dussel kann seinen Job nur behalten, wenn er Musik im Stil der Neuen Deutschen Welle spielt.
Der Hauptaugenmerk ist aber auf der Punk-Szene und Donald, der sich zu deren radikalen Nonkonformismus wendet. Dies spiegelt sich neben seiner Kleidung auch in seiner Musikwahl wieder, was von Daisy und den Drillingen kritisiert wird. Durch die politisch eher links stehenden Punker entstand Anfang der Achtziger eine nicht geringe Schnittmenge mit der Hausbesetzer-Szene, was auch in der Sonderausgabe 1111 thematisiert wird.
Im Kontrast zu Donald Punk steht Popper Gustav. Mit seinem Schräg-Pony, Karottenjeans und seinem gepflegten Äußeren entspricht er dem Klischeebild des Poppers, das Anfang der Achtziger verbreitet war. Mit der damit verbundenen Konsumlust und apolitischen Haltung zieht er den Zorn des Punkers Donald auf sich, mit seiner Neigung zum Rauchen, Whisky trinken und Spaß haben die Zuneigung von Daisy. Apolitische Einstellungen führen in Zeiten der Anti-AKW-Bewegung und Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik zu Sprüchen wie „Warum die Zeit totschlagen, es gibt doch Popper“ und „Haut die Popper platt wie'n Whopper“. [6] Der letzte Spruch wurde auch in Donald Punk zitiert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Ralf Palandt, Mit Asterix auf die Barrikaden – Die Raubcomics der Neuen sozialen Bewegungen, in: Comic-Preiskatalog 2011, Wien 2010
  2. Cover aller Ausgaben auf PunkFanzines.de
  3. Ausgaben von Donald Punk auf Tape Attack
  4. Thread im ComicGuide-Forum
  5. Packard, Stephan (2014, 5. August). Wie können Comics politisch sein? Abgerufen am 22.4.2021, von https://www.bpb.de/apuz/189528/wie-koennen-comics-politisch-sein?p=all
  6. Oberwittler, Jörg (2008, 16. Juli). Aalglatt bis zum Anschlag. Abgerufen am 22.4.2021, von https://www.spiegel.de/geschichte/popper-bewegung-a-947004.html